Mittwoch, 18. Juli 2012

Börsengang Formel 1: Die fetten Jahre sind vorbei - kommt der nächste Facebook-Deal?

Zweistellige Millionensummen kassiert Eccelstone für eine einzige Rennveranstaltung. Diese müssen von den Rennstrecken aufgebracht werden. Der Rennsport gilt nicht wie der Fußball als "gemeinnützige Veranstaltung" und trotzdem erhalten heute schon Hockenheim und der Nürburgring hohe staatliche Zuschüsse.  Dieses Jahr fährt die Formel 1 in Hockenheim bei Mannheim. Man hofft auf 62.000 verkaufte Karten. Zu Schuhmacherszeiten waren es noch 100.000. Das Ziel der Veranstaltung ist eine "schwarze Null".  Deshalb muss der Börsengang der Formel 1 so schnell wie möglich abgewickelt werden, bevor die überteuerten Gagen von Ecclestone nicht mehr verlangt werden können.

Die meisten Rennstrecken zittern um ihr Überleben. Nicht selten werden öffentliche Zuschüsse fällig. In Hockenheim hofft man sich mit einer Art Rundumveranstaltung vor dem Schlimmsten zu retten. Das Ziel ist eine "schwarz Null". So wird sogar eine Formel1-Kinderecke angeboten. So wird Rennsport zur Familienveranstaltung im ohrenbetäubendem Lärm, der fast schon an der Schmerzgrenze liegt.


Dieses Jahr überträgt RTL (Bertelsmanngruppe) das TV-Event. und belastet damit die GEZ-Zahler nicht. Was für den Steuerzahler ein Fortschritt ist, ist für die deutsche Unternehmerschaft ein Desaster und wird auch nicht spurlos an Ecclestone und seiner Formel1 vorbei gehen.  Jetzt müssen die deutschen Multi-Milliardäre und Vorstandvorsitzenden selber zusammenhalten, um nicht am Ende als finanzielle Verlieren aus dem Rennen zu gehen. So kommt es in Hockenheim zur Kooperation zwischen Bertelsmann (RTL-Eigentümer) und Daimler. Sie bilden das Rahmenprogramm für ein mittlerweile uninteressantes Sportereignis. Dem Rennsport wird es wie dem Tennis ergehen. Was in den 1990er mit Boris Becker und Steffi Graf zum Massen-TV-Event wurde, führt heute ein Schattendasein. Niemand hat mehr Interesse an den TV-Übertragungsrechten.  Egal welcher Deutsche heute Nummer Ein der Weltrangliste wäre.

Selbst Sebastian Vettel als Formel1-Weltmeister kommt an die Verkaufszahlen von Schumi nicht anknüpfen. Was wohl auch der Grund ist, warum Schuhmacher heute für eine überzogenes Rentnerhonorar noch bei Daimler im Rennwagen sitzt. Schuhmacher war sozusagen eine Verzweiflungstat des Vertragsnehmers (Daimler AG). Der schon lange nach einer Ausstiegsmöglichkeit aus der Formel 1 sucht. Die Kosten/Nutzenrechnung ist unrentabel für den Autohersteller. Betriebsrat und Aktionärsversammlung drängen schon lange auf einen Austritt aus der Formel1. Hinzu kommen die neuen Vereinbarungen des sogenannten "Concorde-Agreements". Es ist wahrscheinlich, dass die Formel 1 Millionen schwer Zusagen an Daimler machen muss und so ihre Einnahmeseite bereits vor Börsengang korrigieren muss. Dies sind natürlich nur Spekulationen, doch aus marktwirtschaftlicher Sicht, muss immer der Schein des finanziellen Erfolges auf beiden Seiten gewahrt bleiben, damit die Verluste wie durch einen Börsengang dann anonymisiert werden können.

Noch kann sich Ecclestone mit seiner Formel1 als großer finanzieller Gewinner der Show verkaufen. Man nimmt es ihm ab. Doch der nun verhandelte Bestechungsskandal um Ecclestone und der bayr. Landesbank beschmutzt nicht nur das Image, sondern lässt einen tiefen Blick hinter die Kulissen von großen Sportevents zu.

Ecclestone (81) könnte damit selber die Steilvorlage für den Rückzug von Daimler liefern. Lt. Daimlersatzung darf die AG keine derartigen Verfehlungen ihrer Geschäftspartner dulden. Eine Kündigung von Ecclestone als Geschäftsführer der Formel 1 wäre allerdings keine Alternative, schließlich hält er selber 13,5 % der Anteile. Er müsste diese tatsächlich verkaufen und könnte bei seinem größten Deal seines Leben - dem Börsengang der Formel 1 - als Profiteur gar nicht mehr dabei sein. So spielt das Leben. Irgendwann steht man sich aufgrund seiner eigenen Raffinesse selber im Weg und kommt an sich nicht vorbei.


Der Börsengang der Formel1 in Singapur - der nächste Facebook-Skandal bahnt sich an


Die einzige Alternative die sich vor dem großen Showdown eines ehemaligen Milliaradengeschäftes anbietet, ist natürlich dieser Börsengang. Der nun noch schnell vollzogen werden muss, als geplant. Der neue Aktienbesitzer hält damit nicht nur Anteile, sondern übernimmt gleichzeitig einen Kredit der ehemaligen Eigentümer wie Ecclestone, der mit jährlichen 10% verzinst werden muss. Auf diese Art können sich die heutigen Anteilseigner ihr Vermögen doppelt vergolden lassen.

Wer derartige Verkaufsaktionen einfädelt braucht starke Nerven und kein Gewissen. Es ist nicht einfach etwas als gewinnbringend zu verkaufen, das in absehbarer Zeit zum riesigen Verlustgeschäft wird. Es gibt Medienberichte, dass an Veranstaltungsorten bereits leere Ränge mit schwarzer Folie abgedeckt wurden, um den Eindruck von voll ausverkauften Tribünen zu erwecken.

Aus meiner persönlichen Sicht (das ist keine Finanzberatung!) ist ein Engagement in die Formel 1 nichts für den kleinen Anleger. Selbst wenn er eine Erstemission ergattern würde. Die Facebookaktien ist hier ein absolutes Paradebeispiel. Aufgrund "technischer Schwierigkeiten" konnten die Anleger ihre Aktien nicht sofort wieder platzieren und verkaufen. Nur dieser eine Moment wäre ein Geschäft gewesen - welches bewusst oder unbewusst vermasselt wurde. Die größte Zeche zahlten nun die Großinvestoren. Im Vorfeld des Facebook-Börsenganges wurden noch schnell ein paar Milliarden an andere Programmierkumpels von Zuckerberg in Form von Firmen- und Nutzungsrechten verteilt und fertig war die Schoße.

Daher mein persönliches Fazit für mich: Finger weg von der Formel1-Aktien, falls sie kommt. Den Verlust-Deal sollen die Großen untereinander ausmachen. Man kann sich auch noch nach sechs Monaten an einem Verlustgeschäft beteiligen, wenn einem die Laune danach ist.

Facebook liegt heute (18.08.12) 24% unter dem Ausgabepreise!




Kommentare:

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  3. Klar - das mag richtig sein (Aktien). Doch für dieses Spiel brauchen sie grundsätzlich "Dumme", die davon überzeugt sind, dass sie WERT kaufen, der sich auch noch steigert. Aktien sind Wetten auf die Zukunft, noch mehr Gewinn zu machen - übersetzt auf Banken, noch höhere Zinsen zu verlangen.

    Wasserwirtschaft

    Das wäre eine Fall für die klassische "Soziale Marktwirtschaft" - Verstaatlichung von systemrelevanter Infrastruktur zum Schutze der Allgemeinheit vor Monopolisten. Leider gilt dies in unserer neo-liberalen Welt als Wettbewerbsverzerrung. Tatsächlich ist es heute so, dass nur noch dort neue Märkte erschlossen werden können, wo früher Staat war.

    Die Pest oder Cholera? ... das ist die hier die Frage. Mehr Möglichkeiten hat der Mensch nicht. Daher versucht jeder seine Pest bzw. Cholera durch den Kapitalismus wieder zu heilen. :-D

    ... aus Wasser, Wein machen; aus Stroh, Gold; aus dem Tellerwäscher, einen Millionär machen.

    Was ist Wohlstand?

    Billigen Sekt für viel Geld saufen und schmierige Fischeier essen :-D Wer ein teures Steak aß, muss dem "Unwissenden", er einmal erklären was der Unterschied zwischen Rindfleisch und Rindfleisch ist. Wer ein teures Markenlogo nicht kennt und die Kleidung für überteuert hält, muss erst belehrt werden, was er für einen tollen Druck er auf der Brust erhält.

    Das ist Bildung, die im vollen Gegensatz zu Wissen steht.

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Ich setze hier Kritikpunkte zur aktuellen Wertelehre (System) an. Einige werden sich davon persönlich in ihrer Meinung zur Umverteilung der Gewinne angegriffen fühlen. Bitte verwechseln Sie "freie Meinungsäußerung" nicht mit einem nicht existierenden Recht auf Beschimpfung und Diffamierung.

Heute ist Politik nur ein Wirtschaftsdiskussion: Wer hat das beste Konzept zur Umverteilung der erzeugten Gewinne in der Marktwirtschaft. Doch diese Diskussionen werden hier nicht mehr geführt. Sie wurden als sinnlos erkannt und sind daher abgeschlossen.

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